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20. November 2020, Bochum

Gefährlicher Pillen-Mix: Wer schluckt was?

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Kiel - Rund 585 000 Menschen wurden 2018 in Schleswig-Holsteins Krankenhäusern operiert. Fast die Hälfte (rund 260 000) mussten fünf oder mehr Medikamente gleichzeitig und dauerhaft einnehmen. „Gerade bei dieser besonders gefährdeten Gruppe kommt es bei der Aufnahme ins Krankenhaus und auch bei der Entlassung häufig zu Informationsdefiziten mit schlimmstenfalls lebensbedrohlichen Folgen“, warnt Barmer-Landeschef Bernd Hillebrandt. So hatten nur 29 Prozent der Patienten bei der Klinik-Aufnahme den bundeseinheitlichen Medikationsplan dabei, der Informationsverluste zwischen Ärzten verhindern soll. 17 Prozent der Patienten verfügt laut einer Krankenkassen-Umfrage über gar keine aktuelle Aufstellung ihrer Medikamente oder vorhandene Medikationspläne waren häufig unvollständig. „Es ist unverständlich, dass die Aufnahme in ein Krankenhaus als 100 000-facher Prozess so fehleranfällig ist“, wundert sich Hillebrandt.

Wie die Studie weiter zeigt, fließen die Informationen auch während des Klinikaufenthalts nur bruchstückhaft. So gaben über 30 Prozent der Befragten an, dass ihnen die Arznei-Therapie vom Krankenhausarzt nicht erklärt worden sei. Jeder Dritte habe zudem vom Krankenhaus keinen aktualisierten Medikationsplan erhalten. „Eine Arznei-Therapie kann nur erfolgreich sein, wenn der Patient sie versteht und mitträgt. Dazu muss er sie entsprechend erklärt bekommen. Informationsdefizite dürfen auch deswegen nicht auftreten, weil die Therapie nach einem Klinikaufenthalt häufig noch komplexer wird“, sagt Hillebrandt. Auch nach der Entlassung häufen sich die Probleme. Eine Umfrage bei 150 Hausärzten im Norden ergab, dass 40 Prozent mit den Informationen durch das Krankenhaus unzufrieden oder sehr unzufrieden waren. Nur bei jedem dritten Patienten wurden Therapie-Änderungen begründet. „Umfassende Informationen von der Klinik zum weiterbehandelnden Arzt sind unerlässlich. Dies gilt umso mehr, da stationär behandelte Patienten zunehmend älter sowie mehrfach erkrankt sind und polypharmazeutisch behandelt werden. Von einer modernen, sektorenübergreifenden Versorgung kann derzeit leider nicht die Rede sein“, beklagt Hillebrandt. Ein Instrument für mehr Sicherheit und Transparenz in der Arzneimitteltherapie könne die elektronische Patientenakte (ePA) sein, die alle gesetzlich Krankenversicherten ab Januar 2021 freiwillig nutzen können.

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